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Gurte Kurve - die 3 in 1 Story

Donnerstag, Mai 27, 2021

Erklimmen des Berner Hausbergs mit Kinderwagen – ein Erlebnisbericht, ein Votum und zugleich eine Kampfansage

Im Rahmen meiner täglichen Challenge «10'000 steps a day» (ja, inzwischen ist das bei mir ernsthaft eine Challenge) habe ich diese Woche mal wieder den Gurten in Angriff genommen. Im Unterschied zu früher jedoch nicht rennend, sondern spazierend. Der geschichtsträchtige Ausflug fand in Begleitung meiner 13 Wochen alten Trainings- und im-Moment-überall-hin-Kollegin, die sich im Wagen nach oben schieben liess, statt. Deshalb absolvierte ich den Weg auch nicht auf der Strecke des Gurte Gredi, sondern auf der neuen Route "Gurte Kurve", von A bis Z bzw. von unten bis oben absolut kinderwagentauglich und der Originalroute des Gurte Gredi in Sachen Abwechslung, Herausforderung und Sexappeal in nichts nachstehend.

Das Kredo war wie an Wettkampftagen gehabt: Hydrieren. Und zwar mit Koffein, ich bin ja schliesslich keine Anfängerin. Koffein ist, und das ist bekannt, leistungssteigernd (Ridefelt et al. 2016). Ansonsten kann ich mir beim besten Willen nicht erklären, warum sich Leute ständig dieses eklige rot-blaue Gesöff (also nicht Kaffee!) runterschütten (oder tun sie das wirklich? Und ist die Erde wirklich eine Kugel? Wir werden es wohl nie wissen…). Und um und unsere Star-Ernährungsexpertin S. K. aus L. zu zitieren, ist Kaffee «in Massen» ja völlig unbedenklich. So schnappte ich mir, wie man das auf Insta bei den Latte-Moms so sieht, beim Hirschengraben ein Vanilla Latte und stieg ins 9er Tram Richtung Wabern.

Das Startgelände war wie gehabt die Talstation der Gurtenbahn, da also im Vergleich zum Gurte Gredi noch nichts Neues. Für die unmittelbare Rennvorbereitung hatte ich genug Platz, der Ansturm hielt sich (noch) in Grenzen. Der Kinderwagen war startklar, die Passagierin bereits ins Land der Träume abgedriftet. Mit Unterstützung jeglicher Art würde ich also nicht rechnen können. Meine Gedanken gingen kurz an Evelyn Binsack und ihre Expeditionen an den Nordpol, denn ungefähr so fühlte ich mich - fortan auf mich allein gestellt. Na gut, dann halt nicht, anfeuern kann frau sich ja auch selber.

Der imaginäre Startschuss fiel um 15.21 Uhr, die Stimmung (der Schreibenden, da sonst eigentlich niemand anwesend war...) bombastisch. Sofort war eine adäquate Schrittlänge für die ersten relativ steilen Meter auf der Asphaltstrasse gefragt – dies im Unterschied zum Gurte Gredi, bei dem bekanntlich auf einer Treppe gestartet wird.

Ich hatte noch nicht mal richtig in den Trittrhythmus gefunden, schon erlebte ich die erste Schrecksekunde – fast von rechts über den Haufen gefahren von drei Downhill-Bikern. Sie hatten etwa so viel Kontrolle über ihre Göppel wie ich damals mit Chlöde van der Poel anno 2010… Mit Adrenalin vollgepumpt gings nach einem kurzen, intensiven Wortgefecht weiter aufwärts. Nach der ersten Waldpassage führte die Strasse übers Feld, weiter stetig den Berg hinauf. Souverän navigierte ich weiter geradeaus (ok ja, es war ausgeschildert, und ja, ich kenne den Weg). Eine kräftige Windböe brachte den Wagen kurz etwas in Schieflage. Ich war jedoch zugegebenermassen auch etwas unaufmerksam, da mein Blick bereits auf die nächste Waldpartie gerichtet war.

Nach dieser tat sich mir zu meiner Linken eine fantastische Sicht auf… die Hecke auf. Aber glii glii, gsehni d Bärge! Ich erhöhte das Gangtempo – sofern das überhaupt noch möglich war, ohne in den ach so verlockenden Laufschritt zu verfallen (ich hatte mir geschworen NICHT zu joggen heute). Entsprechend begann ich zu schwitzen (Yay! Schwitzen! It’s been a while!). Der Flüssigkeitsverlust musste natürlich umgehend kompensiert werden, weshalb ich am Ende der Hecke, kurz vor der bissigen Steigung und endlich mit Blick auf die Alpen, nach links ausscherte und einen Trinkstop einlegte. Prompt der nächste Zwischenfall: Maske weggewindet. Kurzes Intermezzo «der Maske hinterherjagen»  verbunden mit einigen unnötigen Metern abseits der Strecke (ich brauchte dieses Scheissding schliesslich für den Weg nach unten, wenn ich nicht als Coronaskeptikerin abgestempelt werden wollte - zudem hatte mich 50m vorher eine Kuh von einem Schild herab daran erinnert, dass Abfall sie imfall krank mache und hat sich für saubere Felder bedankt).

Item. Weiter gings Richtung Gurtendörfli, wo ich das Publikum schon von Weitem hörte. Scharfe Rechtskurve und dann vorbei an den Fans, die von links und rechts muhten, als gäbe es kein Morgen. Nach diesem kurzen Aufsteller machten sich langsam die Waden bemerkbar. Leider wurde es noch einmal steiler. Immerhin konnte ich mich an den schönen Blumen erfreuen, von denen ich ausser der Söiblueme keine einzige benennen konnte. Soll aber sogar den besten Biologen manchmal so gehen, habe ich gehört.

Ich änderte meine Armposition am Wagen und arbeitete nun auch bewusst aus dem Bauch heraus, statt mich weiter mit gestreckten Armen vornüber zu beugen wie Quasimodo. Es bitzli Style mues doch sii, und ökonomisch ist eh auch nicht schlecht.

Nach einer weiteren Rampe dann noch etwas Offroad-Feeling. Über den Kiesweg konnten die Lufträder unseres Kinderwagens punkten. Einmal Rechtsabbiegen und dann auf der Teerstrasse übers Feld Richtung Ostsignal. Der perfekte Untergrund, um Speed aufzubauen und wieder musste ich mich fast bewusst gegen das Laufen entscheiden. Aber nur fast, der Gegenwind war eh zu stark (und ich zu schwach).

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(Blick über die Schulter zurück auf die Alpen)

Mit grossen Schritten (so gross sie halt bei einer Körpergrösse von 1.57 sein können) näherte ich mich also dem Ostsignal. Kurz Knipsi-Knapsi-Feddeli-mache, dann weiter. Auf der leicht abfallenden Schlussgerade nochmal die letzte Konzentration, was schwierig war, weil die Passagierin seit der Fanpassage wieder wach war und Geräusche produzierte, die mir fast den Rest gaben. Aber zum Glück wiederum nur fast, so konnte ich den Wagen sicher, quasi von hinten ins Gurte Gredi Ziel beim Briefkasten navigieren.

Geil. Die 7 Kurven (so zähle ich jedenfalls) hinaufgestossen, fettig. Leider vergass ich, auf die Uhr zu schauen, weshalb ich aktuell keine Zeitangabe machen kann. Ich lasse mich hier aber natürlich gern ganz offiziell herausfordern… Anyone??

Danach kurz Umziehen auf dem WC (das ganz links in der Ecke hat Platz für einen Kinderwagen – bei den Männern kann ich das halt jetzt so nicht so genau sagen), dann gings schon wieder runter, mit der Bahn. Kuchen hat mir leider niemand angeboten.

Ihr seht... Diese Gurte Kurve(n) sind an Aufregung kaum zu überbieten. Angesichts der Tatsache, dass die Babies im stuetz.be Umfeld wie Pilze aus dem Boden spriessen (ansonsten bietet sich ein Vergleich mit Pilzen natürlich nicht an), mache ich mich an dieser Stelle explizit stark für eine Zusatzkategorie am Gurte Gredi – die «Gurte Kurve».

Der Modus: Rennen mit Kinderwagen, wobei nicht gerannt, sondern marschiert werden muss. Damit Waffengleichheit garantiert ist, gelten natürlich strenge Regeln betreffend das Gewicht. Des Kinderwagens mit Inhalt, versteht sich. Ein leichtes Baby ist dabei mit Zusatzgewicht (z.B. besonders schweren Airpods oder Feuchttüchern) zu kompensieren.

Wageninhalt

(Wageninhalt am 25/5/21)

Selbstverständlich können in dieser Kategorie auch nicht-Eltern teilnehmen – wir sind schliesslich aufgeschlossen. Babies (und Wagen) können zum Preis eines guten Drinks auf der Terrasse des Gurtenrestaurants für die dort wartenden Eltern ausgeliehen werden. Gespräche mit möglichen Providern laufen aktuell noch – es werden insbesondere noch versicherungstechnische Fragen und Gewährleistungsaspekte geprüft. Sobald hier mehr Klarheit herrscht und auch eine gute Resonanz für eine Austragung der Gurte Kurve spricht, folgen weitere Infos. Freiwillige Streckenposten zur Kontrolle des «Nicht-Rennens», analog des Gehens, dürfen sich ungeniert bereits im Vorfeld bei der Schreibenden melden.

Love, a Latte-Mom

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